Wahl, Mats: Kill. Ein Fall für Kammissar Fors.

Kriminalromane sind beliebt, sind mehr oder (meistens) weniger anspruchsvolles „Lesefutter“. Zu der besseren Sorte von Krimis gehören die Romane des schwedischen Jugendbuchautors Mats Wahl rund um den Kommissar Harald Fors. Schon „Der Unsichtbare“ und „Kaltes Schweigen“ haben sich mit aktuellen und wichtigen Themen beschäftigt: Neonazismus, Rassismus, Gewalt unter Jugendlichen.

Schulschießerei

„Kill“ greift nun das Thema der Schulschießereien auf, die immer wieder Entsetzen hervorrufen und ihren Niederschlag auch schon in Romanen und Filmen gefunden haben („Bowling for Columbine“, „Ich knall euch ab“, „Jesus von Texas“). Kommissar Fors wird überfallen, wobei ihm auch sein Dienstrevolver geraubt wird. Mit dieser Waffe erschießt in einer Schule ein unbekannter Täter drei Kinder. Die Suche nach dem Täter gestaltet sich schwierig, kleine Puzzlestücke werden zusammengetragen.
Mats Wahl lässt sich in die Tradition der sozialkritischen skandinavischen Kriminalliteratur einordnen, sozial bedingte Probleme werden als solche deutlich gemacht. Allerdings ist da manchmal auch ein belehrender Zeigefinger spürbar, der durchaus verzichtbar wäre. Positiv: Nicht alles wird auf das soziale Umfeld geschoben, die Menschen, vor allem auch die Jugendlichen, werden als durchweg eigenverantwortlich dargestellt. Sehr einfühlsam geht der Autor mit dem Thema Tod und Trauer um.

Der Roman beginnt flott mit dem Raubüberfall und der bald darauf folgenden Katastrophe in der Schule. Die folgenden Ermittlungen und die Schilderungen der Polizeiarbeit bringen ein paar Längen mit sich. Wozu muss etwa eine Pressekonferenz minutiös wiedergegeben werden, wenn dort der Presse doch nur Dinge mitgeteilt werden, die der Leser bereits weiß? Den gesellschaftskritischen Räsonnements eines Polizisten folge ich gern einen Absatz lang, aber nicht mehrere Seiten. Dazwischen gibt es aber immer wieder durchaus nette Szenen (ein bisschen Anbandeln, ein bisschen nette Familie, ein bisschen Ehrgeiz, ….)
Gegen Schluss gewinnt die Handlung wieder an Fahrt. Wie es sich gehört, werden alle Täter gefasst. Aber es gibt auch noch einen Ausblick, was aus ihnen wird – und das finde ich mutig.

Fazit: Eine interessante Geschichte, ein ernst zu nehmender Krimi, der etwa mit den Wallander–Krimis von Mankell durchaus mithalten kann. Ab ca. 14.

 

Mats Wahl: Kill. Ein Fall für Kammissar Fors. dtv junior, Reihe Hanser.

Signatur: MD.K / WAH

© Mag. Liesbeth Schön